Sándor Végh
(17. Mai 1912 in Klausenburg [Cluj] – 7. Januar 1997 in Salzburg)
Der weltberühmte Geiger, Kammermusiker und Dirigent ist einer der bekanntesten ungarischen Musiker des 20. Jahrhunderts. An dem Lehrstuhl für Violine der Budapester Franz Liszt Musikakademie war von 1924 bis 1929 Nándor Zsolts, dann von 1929 bis 1931 Jenő Hubays Schüler. Daneben lernte er auch Komposition bei Zoltán Kodály. 1927 debütierte er mit einem unter der Stabführung des Komponisten aufgeführten Werk von Richard Strauss. 1931 erwarb er sein Diplom und gewann zugleich die Hubay- und Reményi-Preise der Musikakademie. Zwischen 1941 und 1946, bis zu seinem Fortgang aus Ungarn, war er an der Musikakademie als Violinprofessor engagiert.
Mit Ilonka Krausz und László Vincze gründete er das Ungarische Trio, dann wurde er 1935 Gründungsmitglied des Neuen Ungarischen Streichquartetts, mit dem er im nächsten Jahr an der europäische Aufführung des V. Streichquartetts von Bartók teilnahm. 1940 gründete Sándor Végh mit Sándor Zöldy, György Janzel und Pál Szabó sein eigenes Quartett. Das Végh-Quartett, in dem ausnahmslos hervorragende Solisten mitspielten, erzielte weltweit große Erfolge: 1946 an dem Internationalen Kammermusikwettbewerb in Genf gewannen sie den ersten Preis, machten danach mehrere Konzerttourneen in Europa sowie in Nord- und Südamerika, und veröffentlichten zahlreiche Platten. Ihr Repertoire umfasste praktisch alle Meisterwerke der Quartettliteratur, sie führten Beethovens bzw. Bartóks sämtliche Werke im Rahmen von Konzertreihen auf. Währenddessen machte Sándor Végh auch als Solist eine bedeutende internationale Karriere (eine seiner Spezialitäten war die Aufführung Bachs sämtlicher Werke für Solovioline) und legte das Instrument bis zu seinen alten Tagen nicht nieder.
Die langjährigen, im Laufe seiner Karriere als Interpret gesammelten Erfahrungen münzte er in sein immer bedeutender werdendes pädagogisches Schaffen um. Er unterrichtete in Basel, Freiburg, Düsseldorf und Salzburg. 1952 lernte er Pablo Casals kennen, auf dessen Einladung er Jahr für Jahr in Zermatt, Prades und später in Marlboro Kurse leitete und Konzerte gab. Er spielte mit den hervorragendsten Künstlern des Musiklebens zusammen. 1964 in Cervo (Italien) gründete er sein eigenes Kammermusikfestival, unterrichtete, gab Konzerte und dirigierte regelmäßig das Sándor-Végh-Kammerorchester und das Marlboro-Festivalorchester. 1972 auf Initiative von Hilary Tunstall-Behrens entstand ein weiteres Végh-Zentrum – diesmal in Cornwall –, als das Internationale Musikerseminar Prussia Cove (International Musicians Seminar Prussia Cove) seine Tore öffnete. Den Höhepunkt seines Schaffens als Pädagoge erreichte er aber zweifellos mit der Leitung der Camerata Academica (von 1978), in der die jeweiligen Studenten des Salzburger Mozarteum mitspielten. In seiner letzten Lebensperiode erzielte er mit seinen Auftritten weltweit große Erfolge und machte zahlreiche Plattenaufnahmen mit dem die traditionelle österreichische Vortragsweise treu bewahrenden und fortsetzenden Kammerorchester.








